Falkenberg

Diese Anlage befindet sich im Bergrücken Gontowa ( 717 Meter ) oberhalb der kleinen Ortschaft Sokolec. Von den anderen noch bekannten 5 Anlagen des RIESE- Komplexes liegt dieses Objekt aus unbekannten Gründen am weitesten entfernt. Die Entfernung bis zur Anlage Dorfbach beträgt z. B. ca. 5 Kilometer, das Objekt Wolfsberg ist 6,7 Kilometer entfernt und bis zur Anlage Oberdorf sind es sogar 7,5 Kilometer. Bei dieser vorgenannten Aufstellung ist das Schloß Fürstenstein nicht mit berücksichtigt, welches sich ca. 24 Kilometer ( Luftlinie ) nordwestlich von Falkenberg befindet.

Die Mundlöcher der beiden Zugangsstollen der Anlage Falkenberg sind ca. 100 Meter voneinander entfernt. Der ursprüngliche militärische Verwendungszweck dieses Objektes ist wie bei den anderen RIESE- Systemen ebenfalls völlig unklar. Das gesamte Stollensystem befindet sich noch völlig unfertig im Auffahrungszustand. Betonierte Stützausbauten sind in keinem Teil der Anlage vorhanden. Auf der östlichen Seite des Berges Gontowa existieren zwei weitere, aber völlig unzugängliche Stollen, da sie Ende der 40iger Jahre schwer sperrgesprengt wurden. Zu welchen Anlagen tief im Berg diese Strecken führten, ist absolut unbekannt.

Im Gebiet von Falkenberg finden sich an etlichen Stellen im Wald in großer Zahl versteinerte Zementsäcke aus der Zeit des III. Reiches. Der versteinerte Inhalt dieser Säcke ist mittlerweile von dichtem Unterholz und Gestrüpp überwachsen. Diese aufgestapelten und im Laufe der Jahrzehnte unbrauchbar gewordenen Zementsäcke gibt es in Unmengen auch noch auf den ehemaligen Baustellen der anderen RIESE- Anlagen. Besonders im Umfeld von Wolfsberg existieren auf dem Waldboden noch ganze Lager mit Hunderten von Zementsäcken.

Unterhalb der Falkenbergstollen befindet sich neben der ehemaligen Baustellenstraße eine seltsam geschwungene und relativ hohe Betonmauer. Der Sinn dieser Stahlbetonkonstruktion ist nicht mehr eindeutig zuordenbar. Einheimische vermuten, daß es sich aufgrund des abschüssigen Hanges um eine Art Stützmauer zum Schutz für die damals oberhalb fahrenden LKW handelte. Diese Interpretation ist aber relativ unlogisch, da die geschwungene Form dieser Mauer nicht dem Berghang folgt und sie damit größtenteils frei steht.

Das Mundloch von Stollen 1. In der heutigen Zeit ist es massiv mit einem starken Gitter aus Edelstahl verwahrt, da die Falkenbergstollen seltenen Fledermäusen als ideales staatliches Schutzgebiet dienen. Team- Delta wurde es aber freundlicherweise gestattet, das Streckensystem für Fotoaufnahmen über den Stollen 1 zu befahren.

Das Mundloch von Stollen 2 ist ebenfalls mit einem Edelstahlgitter verwahrt. Der an dieser Stelle in den Berg führende Stollen 2 steht ca. 40 cm unter Wasser. Er hat eine Länge von ca. 130 Metern.

Stollen 1 führt ca. 150 Meter in den Berg. Beide Zugangsstollen haben eine Breite zwischen 2,5 bis 3,5 Metern, die Höhe beläuft sich auf den gleichen Betrag. Rechts und links dieser Stollen trieb man große Kammern in den Fels, die die späteren, verbunkerten Eingangsverteidigungen aufnehmen sollten. Diese Bereiche sind aufgrund schwerer Sprengungen stark verbrochen.

Das gesamte Stollensystem wurde im Sandstein aufgefahren, was man auf diesem Bild anhand der schönen Schichtung sehr gut erkennen kann.

Wie in der Anlage Oberdorf mußten auch hier Störungszonen im Gebirge mit einem umfangreichen Grubenholzverbau unterfangen werden.

Ein Blick in die hintere große Halle. Hinter der Person in Bildmitte ist bereits der Durchschlag zu dem anderen, von Stollen 2 begonnenen Hallenteil zu sehen. In diesem Stollensystem existieren drei Hallen, die jeweils 5 Meter hoch und 5 Meter breit sind. Zwei Hallen besitzen eine Länge von 35 Metern, die dritte Halle ist 15 Meter lang.

Dieses Foto wurde vom Standpunkt des oben erwähnten Durchschlages in den hinteren Hallenbereich aufgenommen. Links von den beiden Personen führt Stollen 1 ( im Bild nicht zu sehen ) in Richtung Mundloch. Auf den hier gezeigten Untertagefotos ist die schräge Schichtung des Sandsteines sehr gut zu erkennen. Die angeschrägten Firste der Hohlräume resultieren aus den geneigten Sandsteinschichten, denen man beim Streckenvortrieb zwangsläufig folgten mußte.

Eine Querstrecke, welche die Stollen 1 und 2 verbindet. Auch auf diesem Bild sind die im Winkel von ca. 30 Grad geneigten Firste gut zu sehen.

Dieses Foto zeigt einen Teil der 15- Meter- Halle. Auf Höhe der im Hintergrund sitzenden Person zweigt eine Querstrecke nach rechts und links ab. Links im Bild kann man aus einer etwas anderen Perspektive die geneigten Gesteinsschichten wieder gut zuordnen.

Eine der beiden 35-Meter-Hallen. In Bildmitte sieht man noch die im Geröll verborgenen Reste von alten Schwellen der Lorengleise.

Zwei am Stollenfirst hängende Exemplare von Fledermäusen, die in großer Zahl in diesem Stollensystem Unterschlupf gefunden haben.

Eine weitere Querstrecke, die teilweise schwer verbrochen ist. Überall liegen Reste von verottetem Grubenholz. In diesem Streckenabschnitt fanden sich viele massive Sprengeingriffe in den Gesteinskörper. Auch auf diesem Bild ist der geneigte Stollenfirst bemerkenswert, selbst die Sohle des Stollens weist eine Neigung auf.

Etliche Teile des Streckensystems im Bereich des Stollens 2 stehen unter Wasser. Im Hintergrund ist wieder ein schwerer Verbruch auszumachen.

Auf dem letzten Bild ist der obertägige Bereich des Mundloches von Stollen 2 zu sehen. Ca. 100 Meter links befindet sich das Mundloch von Stollen 1. Der im Vordergrund teilweise sichtbare Waldweg wird sehr häufig von Forstfahrzeugen und Traktoren frequentiert, da die dichten Wälder in diesem Gebiet intensiv forstwirtschaftlich genutzt werden.

FAZIT: Ausnahmslos alle Teile des Stollensystems befinden sich im Auffahrungszustand, es gibt keinerlei Stützeinbauten aus Stahlbeton. Diese Anlage ist ebenfalls teilweise sehr verbruchgefährdet. Über den geplanten militärischen Verwendungszweck dieses Objektes besteht völlige Unklarheit. Innerhalb der Anlage konnten keine weiteren Strecken zugeordnet werden, die möglicherweise zu unbekannten Anlagenteilen führen und die im Zuge von hypothetischen Tarnmaßnahmen sperrgesprengt wurden. Es gibt auch keine Informationen über die beiden unzugänglichen Stollen, die sich auf der östlichen Seite des Berges befinden und die man Ende der 40iger Jahre massiv zusprengte. Die Gesamtfläche aller Stollen der Anlage Falkenberg wird mit 2100 Quadratmetern angegeben, das Volumen beziffert man auf ca. 6000 Kubikmeter.

Eine Befahrung von Falkenberg ist für Interessierte aufgrund der massiven Verwahrung der Mundlöcher und der ständigen Überwachung durch Forstmitarbeiter nicht möglich. Von einem illegalen Einstieg in die Anlage muß mit Rücksicht auf das staatlich geschützte Domizil der Fledermäuse dringenst abgeraten werden, da im Aufgriffsfall durch polnische Behörden hohe Geldstrafen und zusätzliche Einreisesanktionen nach Polen zu erwarten sind. Wir bedanken uns deshalb für die Ausnahmegenehmigung zu dieser Dokumentation.

© DieterTD / PeMü 2003