Wolfsberg

Der Komplex Wolfsberg befindet sich auf der östlichen Seite des Bergmassivs in einer Höhe von 811 Metern oberhalb des Dorfes Oberdorf. Er besteht aus 4 Stollen mit einer Länge von 180 und 240 Metern. Diese sind verbunden mit einem System von Gängen und Hallen, welche rechtwinklig zu den Stollen verlaufen. Aus einem der Gänge zwischen Stollen 2 und 3 (nördlicher Eingang) führt ein Transportschacht zur Oberfläche. Dieser Transportschacht ist 40 m tief und hat einen Durchmesser von 4 Metern. Am Ende der Verlängerung des Stollens Nummer 1 befindet sich eine große Halle 50 m lang, 8 m breit und 10 m hoch. In etlichen Publikationen wurde die Meinung vertreten, die Halle sei an ihrem heutigen Ende mit einem Einsturz verschlossen worden und sehr wahrscheinlich befänden sich dahinter weitere (fertige) Teile des Systems. Untersuchungen vor Ort stützen diese These nicht. Weite Teile der Anlage stehen unter Wasser und sind ohne Schlauchboot bzw. Watausrüstung nicht zu erreichen. Ebenfalls nicht bestätigt werden kann die Aussage einiger Zeitzeugen, unter dem Niveau der heutigen Stollen befänden sich weitere Anlagenteile. Zu diesem Zweck sollte durch polnische Forschergruppen das Wasser abgepumpt werden, was bislang jedoch an der Finanzierung und jetzt an daran scheitert, dass die Anlage intensiv touristisch genutzt wird. Wir haben bei unseren früheren Besuchen keine Hinweise darauf gefunden, dass sich unter den Stollen weitere Anlagenteile verbergen. Rätsel gab auch die sogenannte zweite Etage auf. Dabei handelt es sich um Vortriebe oberhalb der Stollen. Nach gründlichen Untersuchungen sind wrzu der Meinung gekommen, das man während der Bauphase viele Arbeitskräfte, aber wenig Sprengstoff zur Verfügung hatte und deshalb auf diese Vortriebstechnik ausweichen musste.

Wolfsberg ist der größte gegenwärtig bekannte Komplex. Die Länge der erreichbaren Gänge beträgt ungefähr 3000 m.

Außerhalb der Anlage finden sich viele Betonfundamente, Reste betonierter Baracken und versteinerte Zementsäcke.

Der nachfolgende Bericht ist historisch! Wir haben ihn bewusst in dieser Form belassen, da er den Zustand beschreibt und zeigt, in dem sich die Anlage vor dem touristischen Umbau befand. Heute können die Besucher die Anlage sehr bequem und gefahrlos betreten. Vor den Stollen gibt es einiges an (bunt zusammengesuchter) Militärtechnik zu sehen. 

Einige Fotos und Anmerkungen von damals:

Ein abgelegenes Tal im Eulengebirge. Da in diesem Bereich Polens keine vernünftige industrielle Infrastruktur existiert, ist die soziale Situation der Anwohner mehr als schlecht. Deutlich ist dieses Problem an der völlig maroden Bausubstanz der hier gelegenen Ortschaften und Straßen zu beobachten. Früher war diese Gegend als niederschlesisches Bergbaurevier für seine Erz- und Kohlengruben bekannt, wovon die vielen verrosteten Fördertürme im Waldenburger Umland ein beredetes Zeugnis ablegen. Heutzutage sind die meisten Lagerstätten vollkommen ausgebeutet, eine Förderung ist nicht mehr rentabel. Bereits vor ca. 2000 Jahren wurden in diesem Gebiet erste bergbauliche Prospektionen durchgeführt, die damals Gold und andere Edelmetalle, sowie Edelsteine, betrafen.

Der Einstieg zu Wolfsberg. Das Mundloch des Stollens ist schwer sperrgesprengt, man zwängt sich auf mehreren Metern durch ein sehr enges Loch mitten im Verbruch. Die gesamte Last des schrägen Verbruchs liegt im Stollen auf einem einzigen, verbliebenen Grubenstempel. Das Holz dieses letzten noch tragenden Verbaues ist völlig verrottet. Einen Finger kann man problemlos in das durchnäßte und verfaulte Material stecken. Damit ist der Bereich des Mundloches hochgradig verbruchgefährdet.

Falls der verrottete Grubenstempel ( im Bild nicht sichtbar) die Last der Gesteinsmassen nicht mehr aufnehmen kann, verstürzen mehrere Tonnen von grobem Blockwerk. Es dürfte sehr ungesund sein, wenn man sich zu diesem Zeitpunkt im Einstiegsbereich aufhält.

Stollen 4 von Wolfsberg

Ein betonierter Stützausbau in einer Seitenhalle von Stollen 4. Oberhalb der gebogenen Stahlbetondecke sollten Rohre zur Bewetterung installiert werden.

Ein bereits betonierter Durchgang von der Seitenhalle zum eigentlichen Stollen 4. In diesem Bereich ist die verwendete Holzschalung noch sehr gut erhalten.

Eine weitere, aber unbetonierte Seitenhalle. Im hinteren Bildbereich befindet sich eine Person als Größenvergleich.

Eine der vielen Querstrecken in Wolfsberg

Eine Weitung innerhalb der Querstollen. Hier sollte offenbar auch eine größere Halle entstehen, da in regelmäßigen Abständen von einigen Metern im Stollenfirst kurze Schächte nach oben führen. Diese Schächte münden nach ca. 3 Metern in einen darüberliegenden Stollen. Durch diese Schächte wurde Abraum zum Abtransport per Lore in den unteren Stollen verbracht. Man arbeitete hier in zwei Ebenen gleichzeitig, um zum Schluß das zwischenstehende Gestein zum Versturz zu bringen. Nach einer entsprechenden Beräumung hätte man dann eine hohe Halle erhalten. An dieser Stelle vielen Dank an den Geophysiker Dr. Rüdiger Schmidt, der uns die hier zur Anwendung gebrachte Vortriebstechnik erläuterte.

Die letzten trockenen Stollenbereiche von Wolfsberg. Im Hintergrund ist bereits das später benutzte Schlauchboot erkennbar. Das restliche Stollensystem steht unter Wasser.

Die weitere Befahrung von Wolfsberg ließ sich nur noch per Schlauchboot realisieren. Das Volumen des gesamten Kammersystems beläuft sich auf ungefähr 31 000 Kubikmeter, die Fläche aller Stollen beträgt ca. 8700 Quadratmeter.

Der Blick in einen unter Wasser stehenden Stollen.

An einigen Stellen findet man im Stollen noch einen entsprechenden Ausbau mit Grubenholz, welches mittlerweile völlig verrottet ist.

Eine größere Weitung. Im Hintergrund ist der hier beginnende und bergauswärts führende Stollen 2 erkennbar, dessen Mundloch aufgrund einer Sperrsprengung völlig verstürzt ist.

In der größten und unter Wasser stehenden Halle von Wolfsberg wurde schließlich mit dem Schlauchboot angelegt.

uf diesem Bild ist eine Totale dieser großen Halle zu sehen. Sie befindet sich noch im Auffahrungszustand, nur am anderen Ende (in diesem Bild nicht sichtbar) existiert ein kleiner Teil, in dem der Firstbereich einen entsprechenden Betonausbau erhielt. Diese Halle ist insgesamt 50 Meter lang, 8 Meter breit und ca. 10 Meter hoch. Über den späteren Verwendungszweck gibt es keinerlei Informationen. Der im Vordergrund erkennbare Gesteinsbogen ist ein Fragment des oben beschriebenen Streckenvortriebes mittels zwei Ebenen. Die Person befindet sich auf dem Niveau der oberen Vortriebsebene. Das zwischenstehende Gestein ist an dieser Stelle noch nicht beräumt.

Dieses Bild gewährt einen Blick in die obere Vortriebsebene. Sehr gut sind die in regelmäßigen Abständen angeordneten, trichterförmigen Schächte zu erkennen, über die der Abraum in die darunter liegende Ebene verbracht wurde.

Vom Niveau der oberen Ebene wurde dieses Foto aufgenommen, welches einen Teil eines wasserführenden Stollens der unteren Ebene zeigt.

Am anderen Ende der 50 Meter langen Halle kann man vom Schlauchboot aus den bereits oben erwähnten Betonausbau des Hallenfirstes sehr gut studieren.

Ein weiteres Detail dieses Bereiches. An dieser Stelle mündet der tief unter Wasser stehende Stollen 1 in die große Halle.

Leider machte uns der in Bildmitte erkennbare Felsblock ein weiteres Eindringen in den Stollen 1 mit dem Schlauchboot unmöglich. Bei einer Wassertemperatur von ca. 8 bis 9 Grad Celsius hätte ein zerstörtes Schlauchboot fatale Folgen, da man die trockenen Stollenbereiche aufgrund einer rasch fortschreitenden Unterkühlung schwimmend wahrscheinlich nicht mehr erreichen könnte.

Das Ende der Befahrung.

FAZIT: Team-Delta vermutet, dass es sich bei diesem Stollensystem niemals um ein zu errichtendes Führerhauptquartier gehandelt hat. Wahrscheinlicher ist aufgrund der erkennbaren Dimensionen einiger Stollenbereiche eine geplante Produktion von entsprechenden Rüstungsgütern und Waffensystemen. Der Name Wolfsberg (Wolf = Hitlers Pseudonym) deutet zwar auf den ersten Blick auf ein FHQ hin. Diese Überlegung relativiert sich aber bereits nach dem Blick auf eine Topo-Karte des Gebietes. Der Name Wolfsberg ist der alten Bezeichnung des Berges entlehnt, in dem sich diese riesige Anlage befindet.

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